Josef Birnbaum

Josef Birnbaum wurde 1874 in Serbesti (heute Rumänien) geboren.
Nachdem er in Amerika studiert hatte, eröffnete er eine Zahnarztpraxis an der Friedrichstraße.
Drei Jahre vor Kriegsende entkam er knapp der Deportation. Seine Frau Betty Birnbaum wurde nach Riga verschleppt und dort ermordet.
Ab diesem Zeitpunkt lebte er im Berliner Untergrund und finanzierte dies vermutlich durch Zahngold, welches er in seiner Praxis versteckt haben soll.
Am 27. März 1945 wurden ein letztes Mal 18 Juden vom Gleis 17, Berlin-Grunewald, nach Theresienstadt deportiert. Fast alle Passagiere überlebten den Transport, nur das Schicksal von drei Juden bleibt ungeklärt. Josef Birnbaum war der Einzige, der offiziell für Tod erklärt wurde.
In den Akten ist zu lesen, dass er sieben Wochen nach der Befreiung im Alter von 71 Jahren an Flecktyphus starb.
Im amtlichen Gedenkbuch von Theresienstadt wurde sein Todesdatum (26. Juni 1945) festgehalten.


„Wer meinem Urgroßvater Unterschlupf gewährt hat, ob er meist durch die Stadt geirrt ist, ob ihn jemand verraten oder ob ihn sogar Stella, die Greiferin der Gestapo, eines Tages vielleicht am Kurfürstendamm erkannt und ihn ans Messer geliefert hat – wir wissen es bis heute nicht genau“, sagt Janina Paul, seine Urenkelin.

 

Quelle:
Karutz, Hans-Rüdiger ; Schubert, Peter: Die Greiferin und Berlins letztes Holocaust-Opfer :
Serie „Vor 60 Jahren“ : 18 Juden auf dem letzten Zug nach Theresienstadt. In: Welt am Sonntag, 17. April 2005


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